Barack Obama und das Kartenspiel der Welt
Wie wundervoll der Morgen duftet und wie zauberhaft die Gesänge der Vögel mein Zimmer durchfluten und meine Nase in frühlingshaft milde Temperaturen betten. Der weiße Teppich hat uns so gut wie verlassen. Er hat beschlossen sich kühl und nährend ins Erdreich zurück zu ziehen, um von dort aus die Pflänzchen zu stärken und zum wachsen zu bringen. Die Hexe des Westens und die Hexe des Südens haben vorläufig ihre Sturmkinder zurück gerufen und lassen den Tag in aller Selenruhe erwachen. Gestern noch gingen sie aufgebracht über das Land einher, nicht sehr zerstörerisch aber mit Nachdruck und erschwerten die Wege der Menschen. Am Abend überzogen sie die Gehsteige mit spiegelglatten, glänzenden Kristalen. Schön aber gefährlich. Ein grauer Schleier verdeckt das Stahlblau des Himmels und lässt keinen einzigen Sonnenstrahl zum matschigen, feuchtkalten Boden herab. Die Dichte der Wolkendecke lässt vermuten, das dieser Tag nicht mit heiterer Helligkeit gesegnet sein wird, er sich eher wie ein dumpfer Schlag auf den Hinterkopf anfühlen wird. Er tut nicht weh, noch ist er laut, aber im nachhinein verursacht er meist Kopfschmerzen. Die Planeten sind verdeckt, sie kreisen und ziehen bedächtig ihre Bahnen. Wenn ich genau hinhöre kann ich das Rauschen vernehmen, welches durch das reiben der Luftmassen an ihrer Oberfläche verursacht wird, sehen kann ich sie jedoch nicht. Spühren kann ich sie eben so wenig. Ich spühre nichts, ich rieche nichts, alles klingt nur gedämpft, es ist nicht warm und auch nicht kalt und mein Blick geht stur gradeaus. Ich frage mich ob sich dieser Morgen nur für mich so anfühlt, oder ob ihn der Rest der Stadt genauso wahrnimmt. Ich leide unter den Folgen des Fluches, welchen mir die Heilprakterin auferlegt hat. Denn sie gab mir einen Zettel auf welchem notiert war, wie ich den Kontakt zu ihr aufnehmen könnte, aber ich suchte direkt einen anderen Ort der Heilung auf. Ich glaube das war ausschlaggebend für ihr boshaftes tun.
Am Horizont zeichnet sich ein leuchtender Streifen ab und der Tag scheint sich zu wandeln wie die Welt. Seit geraumer Zeit steht sie unweigerlich im Wandel, doch nicht zum Guten. Tag für Tag scheinen in den Netzen der Wirtschaft und denen der Finanzen neue, alles verschlingende Löcher auf zu reißen und die Frage, wie diese zu stopfen sind wird immer schwerer zu beantworten. Das Volk ist unzufrieden und schaut zornig, fragend und ängstlich hinauf zur Spitze. Dorthin wo jene sitzen, deren Einbußen zwar hoch sind im Gegensatz zu den Einbußen jener die ohnehin nichts haben, aber bei denen immernoch verschwenderisch viel unter dem Strich stehen bleibt. Ein leiser, unblutiger Krieg ist im gange und wird zunehmend lauter. Eine Welle der Ungewissheit zieht sich durch das Volk und selbst jene haben Angst vor dem schlafen gehen, die längst gelernt haben mit schlechtem Gewissen sich zu betten und zu ruhen. Längst ist die Zeit gekommen, die Karten wiedereinmal neu zu mischen. Wer dabei zum Zuge kommt ist unklar. Die Unruhe lockt Dämonen auf den Plan, Wölfe wittern ihre Chance. Sie bewaffnen sich, sie fletschen ihre Zähne, unheilvoll schwirren sie aus und bewegen sich flink, aber unauffällig in den Reihen. Sie werden alles daran setzen die Hilflosigkeit der Völker zu ihren Gunsten zu missbrauchen und sicher werden sie Erfolge verzeichnen, denn dieses Drama betrifft alle.
Die erste Karte wurde schon gelegt. Die Augen der Erde sind in Richtung der neuen Welt gerichtet, wo diese Woche ein neues Oberhaupt seine ersten zaghaften Gehversuche im Fokus der Öffentlichkeit tat. Mit Barack Obama ist der vierundvierzigste Präsident der vereinigten Staaten gewählt worden und mit ihm suhlt sich eine ganze Nation in einem hoffnungsvollen Licht. Er wurde auf den Trohn gehoben und legt nun erhaben einen der Zügel welche die Kutsche des Erdenrunds lenken in seine Hände. Wie er ihn zieht und wie er ihn führt steht noch in den Sternen, jedenfalls wurde mit ihm ein fehlerhaftes Zahnrad im Uhrwerk der Macht ausgewechselt und hoffentlich zum besseren ersetzt.