Auf und ab zum Sybillenstein
Regeln sind da um gebrochen zu werden und Traditionen sind da um hin und wider einer Verjüngungskur oder einem Lifting unterzogen zu werden. So haben wir es dieses Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag gehalten und uns zur Abwechslung mal bekochen lassen. Anstelle von selbst aufgefahrenen Festtagsbraten haben wir die Vielfalt an weihnachtlichen Spezialitäten eines Restaurants in Anspruch genommen und was soll man sagen? Herrlich war es, gut und üppig! Hinterher haben wir auch direckt dem schlechten Gewissen kleinbei gegeben und haben uns auf den Weg gemacht eine Wanderung zu begehen. Da die Lust zum Wandern meiner Familie etwas in die Wiege gelegt wurde, bedurfte es auch keinerlei großer Überedungskünste, alle von diesem Vorhaben zu überzeugen und ein recht zentral gelegener Ort, einer der für fast alle gleich gut zu erreichen ist wurde ausfindig gemacht und anerkannt.
Der Sybillenstein, oder auch Hochstein genannt, wir fragten uns wieso der so hieß, denn die meiste Zeit hatten wir das Gefühl Bergab zu laufen, lockt mit einer schönen Aussicht und mit seinen vierhundertneunundvierzig metern Höhe schreckt er nicht ab sondern ist mit Leichtigkeit wegzustecken. Da sich die Temperaturen ein paar Grad unter null befanden waren die Wege fest und nicht matschig und die Natur entzückte mit einem wertvollen Kostüm aus wunderschönen Kristallen. Die meiste Zeit führte der Weg durch mal mehr und mal weniger niedrige Nadelgehölze und Buchenwäldchen. Hier und da konnte man einen kurzen Ausblick auf die Täler drumherum erhaschen und ich war begeistert über die reifbehafteten und in zartblauen und weißen Tönen gekleideten Wäldchen und Hügel, welche sich überall erstreckten und wie Wolken am Horizont vorbeizogen. Zwischendrin ein paar bunte Tupfer, lassen die warmen Stuben und die reichlich gedeckten Tische in den Dörfern erahnen und die Rauchsäulen, welche aus den Schornsteinen entfliehen wirken wie Zeichen, welche zum freudigen Beisammensein einladen möchten. Über mir und neben mir wurden die Wege mit schimmernden und klirrenden Kristallen gesäumt und wenn man einen der Zweige berührte führte man etwas von dem scheinbaren Reichtum ein Stück des Weges mit sich. Ich wollte stehenbleiben und die Schönheit, welche die Natur uns an diesem Tage bot voll und ganz in mich einatmen, ich wollte es leer sehen und wurde nicht satt davon. Meine Lungen wurden geflutet von der Frische und der Kühle, mit welcher dieses Bild der Wirklichkeit gemalt wurde. Ich wurde mit schauen und staunen nicht fertig und ich blieb stehen und fragte mich wann der Moment kommt, an dem Kai aus dem Dickkicht hervorschießt. Gezogen vom Schlitten der Schneekönigin und dicht gfolgt von Gerda, welche krank vor Sorge die Spur ihres Bruders aufgenommen hat. Wie immer ,an sollchen Tagen, hatte ich meine Kamera zu hause liegen lassen und selbst wenn ich sie mitgehabt hätte, so ganz ohne Batterien wäre sie mir nicht von all zu großer Nützlichkeit gewesen. Mal ganz davon abgesehen hätte ich wohlmöglich wieder maßlos übertrieben und wäre mit dem Knipsen von Bildern nicht fertig geworden, sehr zum Leidwesen der Anderen, denn ich fotographiere vieles und die meisten Objeckte auch mehrmals, es könnte ja sein das eines der Bilder nichts wird.
Den Nachmittag verbrachten wir dann in geselliger Runde bei gesellig machendem Wein und wie immer, über die Feiertage, jeder Menge Essen und gut gedeckten Tischen. Jetzt durften wir ja wieder. Wir sind ja schließlich eine ganzes Stück gelaufen.