Ansichten

Ich bin aufs Land hinaus gefahren. Die Enge der Wohnung hinter mir lassend und den Smok und das Drücken der von Menschen überlaufenen Stadt vergessend. Auf der Suche nach der absoluten Stille. Die Luft könnte nirgends würziger sein als hier draussen. Man riecht förmlich die Kastanien, die Eicheln, den duft von Herbstblumen, ja sogar die Farbe der Blätter scheint ein Bestandteil des gesunden Potpourri zu sein. Es duftet nach feuchtem Laub und von Regen klargespühlter Luft. Herlich erfrischend und doch angenehm mild, die letzten wärmenden Strahlen der Sonne streicheln mir sanft meinen Nacken. Ein Spatziergang durchs Dorf lässt alte Zeiten wieder beleben und erleben, wandelnde, bewegte Bilder im Kopf, die Kindheit zum greifen nah und die Jugend welche noch so gegenwärtig ist. Dort war der kleine Teich an dem wir im Sommer die Nachmittage verbrachten, kletternd und hasche spielend, im Winter fuhren wir Schlittschuh. Heute verwildert er. Es scheint sich niemand mehr drum zu kümmern, als wäre er in unserer Kindheit stecken geblieben. Die Nächte waren wunderbar ruhig, ich schlief wie ein Stein. Dennoch wachte ich mit eigenartigen Träumen im Sinn morgens auf. In letzter Zeit veranstaltet das Theater in meinem Kopf, des Nächtens die schauerigsten und skurielsten Geschichten. Ich weis das ich wieder in die Stadt zurück muss, aber ich weis dass das Leben hier, mir derzeit wesentlich besser tun würde. So tut mir der Abschied ein wenig weh, obgleich ich fast täglich hier her zurückkehren könnte.

In den letzten Tagen meines Urlaubs, habe ich mich des Öfteren in die Altstadt begeben, die kleine Fledermaus ist mittlerweilen weg. Auch habe ich mir bewusst einen Tag ausgesucht um die Brühlschen Terrassen zu erkunden, an dem sie nicht so maßlos überrannt werden. Menschenmassen schüchtern mich nach wie vor ein. Dort kurz vor dem Bärenzwinger, über der Festung Dresden und direckt vor den Forten der Kunstakademie gibt es derzeit etwas sehr interessants zu sehen. Eigenartig wirken die aufgestellten Dächer von weiten und viele würden wohl nur fragend einen Bogen drumherum machen, doch seid ihr einmal dort und habt ein paar Minuten nur Zeit, so bitte schaut es euch einfach mal an. Eine junge asiatische Künstlerin namens Yang Liu hat dort in Form von Piktogrammen, die Unterschiede der östlichen und westlichen Kultur dargestellt. So stehen die blauen Quadrate für Deutschland und die roten Quadrate für China. Sie bezeichnet es selber als Versuch die Differenzen mit Humor und Leichtigkeit nahe zu bringen. Beim anschauen der Bilder und Darstellungen gingen diese mir teilweise erschreckend nahe und hatten mit Humor nur leider viel zu wenig am Hut. Die ein oder andere dargestellte Situation lies sogar eine Träne zu. Mit etwas Humor habe ich mir folgende Bilder angeschaut und schmunzelnd hingenommen: Laune und Wetter, Party, Drei Mahlzeiten, Pünktlichkeit. Ernst zu nehmen waren diese zwar auch, aber neben noch ein paar anderen konnte man sie mit einem Lächeln abtun und sich den ernsteren Problemen widmen, jene welche tatsächlich schon als Probleme zu betiteln sind: Transport, Meinung, Kontakte, Umgang mit Problemen, Chef, Lebensstil. Dies waren die Darstellungen die mich etwas zum verweilen und nachdenken anregten. Die komplette Reihe dieser Piktogramme gibt es im übrigen auf der Seite www.adinochang.com zu sehen, denn es sind weitaus mehr als es hier in Dresden openair zu sehen gibt. Mehr über die Künstlerin an sich und ihre Arbeiten findet ihr auf der Seite www.yangliudesign.com. Aber ich denke ein Lauf an der angenehmen Herbstluft hat noch niemanden geschadet und das Ambiente der Brühlschen Terrassen ist ebenso wenig zu verachten. Also viel Spass beim Vergleich der Kulturen!

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