An sich verwirrt…
… denn Schlag auf Schlag ging es weiter. Frisch und fröhlich sprang ich in das kalte Meer der Arbeit und während mich Jude Law mit einem Lächeln der Marke, bisher dachte ich immer du wärst eingebildet… aber eigentlich scheinst du ganz nett zu sein, bedachte, wurden mir ein paar ganz neue Aussichten auf Arbeit vor die Nase gestellt, welche mich von nun an ebenfalls durch den Tag begleiteten.
Mit einem so prall gefüllten Gedankenköfferchen ausgestattet, ebnete sich mein alles andere als holperiger Weg durch den Donnerstag. Nebenher erfuhr ich noch dass es in Deutschland 74 Landschaften gibt, welche man als “Schweiz” bezeichnet und dass George Washington 1789 zwei Bücher einer New Yorker Bibliothek entlieh und diese nie zurückbrachte, woraufhin sich die Leihgebühren mittlerweile auf 300 000 Dollar belaufen… das ist nicht wirklich interessant, aber es regt zum Schmunzeln an und schmunzelnd machte ich mich nach getaner Arbeit auf den Weg in die Stadtoase, denn so war es für den Abend geplant…
… ich merke grade dass ich mich fürchterlich verrenne und immer noch über den Donnerstag rede, obwohl schon wieder Montag ist und das Wochenende wie im Flug vergangen ist. Da ich es aber nicht für sinnvoll halte in der Vergangenheit rum zu stochern, als wäre es eine Portion Speckkartoffeln aus der man verzweifelt versucht den Speck rauszusammeln, werde ich mich jetzt mal etwas kürzer fassen und den Schnelldurchlauf einschalten. Denn wenn ich keinen Speck mag bestelle ich mir keine Speckkartoffeln und wenn es in der Vergangenheit etwas gibt, was mich aufstößt, dann lebe ich einfach weiter, auch wenn der Donnerstag nichts aufstoßendes hatte.
Wie gesagt, wir saßen also in der Stadtoase im Ostra Gehege, dem chilligen Strand mit Blick auf die Elbe und darüber hinweg auf die zwei anderen Strände von Dresden. Ich persönlich halte mich lieber in der Stadtoase auf, da hier das Klientel bunt gemischter Natur ist und keine Klassentrennung herrscht wie am anderen Ufer. Das ist nämlich der Grund warum es dort zwei Strände gibt und zwar direkt nebeneinander, aber das steht auf einem anderen Blatt. Hugh Grant und der Junge mit dem Jeanshemd erwarteten mich schon, denn wir verabredeten uns zum Feierabendbierchen und es verging nicht mal eine Stunde und es versammelten sich allerhand neue, ein paar gegenwärtige, der ein oder andere unerwartete und einige immer gern gesehene Personen an unserem Tisch und es dauerte nicht lange und der Abend, der allmählich zur Nacht wurde bekam eine neue Grundstruktur und verlagerte sich vom Outdoorchillout zum Indoorsitting und jetzt ratet mal wohin…
… ins Boy`s. Ein Laden auf der Alaunstraße den ich im Normalfall meide, doch was ist schon normal? Hier werden die Randgruppen in der Randgruppe sichtbar und obgleich das Boy`s schon in der schwulen Schublade des Lebens steckt, entdeckt man in den Räumlichkeiten ein verstricktes Wirrwar von Schubladen und aus jeder guckt ein anderer heraus. Da wird am einen Tisch über die Sitzgelegenheiten gegenüber gelästert und hier und da wird sich lautstark unterhalten um Erhabenheit zu demonstrieren und auf sich aufmerksam zu machen, was das Zeug hält. Es riecht nach unheimlich fremd anmutenden Gerüchen und unweigerlich fliegen einem Gesprächsfetzen ans Ohr, deren tieferer Sinn in der Mundfäule einer der betreffenden Personen zu suchen ist und ob es denn schon besser geworden ist. Da hört man gerne weg und widmet sich viel lieber der Formation am Tisch, welche sich im Laufe einer Stunde schon wieder völlig geändert hat und man bekommt mit, dass es im Vorderhaus meiner eigenen Wohnhaft nicht nur skurrile Aktivitäten, Hund und Katze abwechselnd am Fenster und ausgetragene Schäferstündchen bei offener Balkontür und Festbeleuchtung zu beobachten gibt, sondern dort, in dem Haus in dem ich ehrlich gesagt nicht wohnen wollte, es sogar unheimlich syphatisches Leben gibt, in dessen Genuss man nun kommt es mal kennen lernen zu dürfen.
Und so offenbarten sich mir an einem, gelinde gesagt schnelllebigen Donnerstag, nicht nur neue berufliche Aussichten, sondern neue Bekanntschaften, neue Sichtweisen und die Festigung von alten und neuen sozialen Kontakten und als wäre das nicht schon genug für mein kleines Seelenleben gewesen erreichte mich noch mitten in der Nacht die Nachricht einer immer wieder neuen Person aus alten Tagen, worüber ich mich sehr freute, obgleich ich mit keiner Silbe damit gerechnet habe.
Einziger Wermutstropfen dieser Tage ist die Tatsache, dass sich der Nachtelf seit einiger Zeit vor mir verbirgt und ich nicht wissend bin weshalb… ich mir nicht sicher bin ob ich etwas falsches gesagt habe… aber noch ist auch sein roter Faden in meiner Stadt verankert und so verwirrt und unübersichtlich das Ganze im Moment auch ist, so viel Spaß macht es mir aber auch und ich werde mit Genuss in nächster Zeit an dem ein oder anderen roten Faden ziehen um hier einen Konoten zu lösen und ja mag sein, vielleicht auch da einen Knoten zu festigen. Wohin es mich führt werde ich sehen, was es mir bringt vermag ich nicht mal zu erahnen. Ich weiß nur dass es unheimlich Spaß machen wird und sowohl meine Bank im Rosengarten als auch mein Tetrapackrotwein für einsame Stunden werden mir schon irgendwie dabei helfen. Ich bin optimistisch!
So