Komplett anders und doch der Selbe! 4

Thomas Kleinstück am 21. August 2016 um 20:09

Es kam die Zeit der Schneebälle, die Küken, die Kirschen und schließlich wieder die Kastanien und so verstrichen die immer gleichen Jahre ohne dass sich irgendetwas grundlegendes änderte.

Immer öfter sah man das junge Pärchen, auch als solches, in den Straßen der Stadt umherwandeln und Laura? Ihre Liebesgeschichte war nach wie vor eine unebene Straße, gepflastert mit Steinen aus Leidenschaft und Verdruss.

Ihre größte Hingabe galt noch immer dem Café und seit neuestem ihrer schwarzen Bullidame Freddie, die sich zwischenzeitlich ein Platz auf Lauras Couch und in ihrem Herzen erobert hat.

Ihr war es auch zu verdanken, dass Laura sich an jenem warmen Mainachmittag die kleine Bank, unter dem großen Baum mit den blauen Blüten, ersuchte, um während der täglichen Gassirunde eine kleine Pause einzulegen und das schöne Wetter ein paar Momente lang genoss.
Völlig gedankenverloren beobachtete sie das hypnotisierende Fallen der blauen Blütenblätter und bemerkte nicht, wie neben ihr ein Radfahrer, auf dem sandigen Weg, rutschend zum stehen kam.

„Eine Waldmeisterbrause und ein doppelter Espresso bitte!“, drang es kräftig und irgendwie vertraut an Lauras Ohr.

Etwas erschrocken blickte sie nach oben und hielt sich die Hand vor das Gesicht, um die dunkle Gestalt zu erkennen, welche sich provokant zwischen Laura und die Sonne schob.
„Oh mein Gott, es lebt noch!“, scherzte sie überrumpelt,“… na Kleiner, alles fitt!?“

Es war nun mal ihre Mundart, doch noch während sie es aussprach bereute sie die Wortwahl bereits.

Die folgenden drei Minuten fühlten sich für beide wie eine Ewigkeit an. Vielmehr Zeit hatte Marco nicht, denn er war auf dem Weg jemanden abzuholen.

Lydia erwähnte er mit keinem Wort, aber allein schon die Tatsache, dass er noch hier in Dresden wohnte, gab genug Recht zur Annahme, dass es sich bei diesem Jemand wohl um Lydia handeln musste und er seinen vorehelichen, selbstauferlegten Pflichten nachging.

Was tut man nicht alles für die Liebste? Die Richtung, in die er unterwegs war, stimmte jedenfalls.

Auch sonst schien sein Leben sehr gradlinig zu verlaufen.

Er war zwar noch hin und wieder in der Welt unterwegs, jedoch nicht mehr so häufig und lange wie früher und auch sonst sind die abenteuerlichen Passagen seinem Smaltalk entwichen, so dass die Konversation nunmehr einem hausfraulichen Tratsch gleich kam… und dennoch wurde Laura das Gefühl nicht los, dass er sich mehr von dieser Begegnung erhoffte.

Der Indiana Jones in ihm war noch immer am Leben und rebellierte ein wenig gegen das Leben, welches er sich selber ausgesucht hat. Er liebte es sehr, doch die Freiheit vermisste er ein wenig.

Und als er Laura hier sitzen sah, frei alles zu tun wonach ihr beliebte, erinnerte er sich an die salzige Luft, an die schroffen Berge, an die Fremden Länder, die vielen Frauen, an ein Leben dass jeden Tag anders und neu daher kam.

Doch Laura ließ ihn abblitzen und war froh, als er sich auf machte weiter seiner Wege zu fahren, jedoch nicht ohne zu erwähnen, wie schön es war sie wiedermal gesehen zu haben und nicht ohne die Drohung los zu lassen: Er würde sich melden.

Vielleicht wäre ihr Leben etwas anders verlaufen, wäre sie vor fünf Jahren offensiver gewesen, denn anscheinend war Marco weniger fahrig, als er sich selbst immer darstellte.
Doch selbst jetzt, nach fünf Jahren, versuchte er wieder bei Laura dort zu landen, wo er bei Lydia längst schon heimisch war und vielleicht war es auch der erneute plumpe Versuch aus ihr das heraus zu kratzen, was Lydia ihm von Anfang an bot… eine Herberge.

Ein Ort zum zurückziehen. Ein zu Hause in einer Stadt, in der er nie eine Heimat sah oder etwas behagliches vermutet hätte.

Sie wurmte es ein wenig, dass die Begegnung sie so in Wallung brachte und so zündete sie sich nervös eine Zigarette an, während sie die nostalgischen, fast schon wehmütigen Gedanken über sich hereinbrechen ließ. Denn neben alle dem, was er damals bei seiner Ankunft in dieser Stadt auch verlor, bekam er etwas, was ihr noch immer verwehrt blieb… eine kleine Familie und ein wohlwollendes Herz.
Der Schrille Ton ihres Telefons riss sie jäh aus ihren einsamen Gedanken und ihr kam in den Sinn, dass er im Gegensatz zu ihr, die Telefonnummer in all den Jahren nie aus seinem Handy gelöscht hat. Und sie sollte Recht behalten.
„Hey Kleines! War schön dich mal wiedergesehen zu haben. Vielleicht hast bei Gelegenheit mal Lust auf eine Brause, oder einen Wein, oder…“
Ende des Textes und eine weitere aussagekräftige Bildmitteilung folgte prompt!
„Gruß Marco“
Nein, er war doch immernoch der Selbe und wie weit er tatsächlich gehen würde, das würde sie niemals zulassen zu erfahren.

>>ENDE<<

Thomas Kleinstück, 29.05.2015

Komplett anders und doch der Selbe! 3

Thomas Kleinstück am 11. August 2016 um 23:45

Lydia servierte heiß! Ohne etwas anbrennen zu lassen!

Und zweifelsohne verstand sie es nicht nur die Fürsorge zu geben, die so ein mutterloser Wildfang dringend brauchte, ohne sich je wirklich danach zu verzehren… Nein, wer Lydia etwas besser kannte wusste genau, dass sie genügend Feuer besaß, um den Stier in die Arena ihres Schlafzimmers zu locken und dort packte sie ihn, genau wie er es brauchte, ordentlich bei den Hörnern und in Marcos Fall eben bei den Eiern. Und nach eben jenem Szenario, verzehrte er sich ganz bewusst!
Doch wo Rauch ist, da ist auch Feuer und so verdichteten sich nicht nur die Gerüchte um eine angebliche Liaison zwischen Marco und Lydia, man sah sie auch immer häufiger in unmissverständlicher, trauter Zweisamkeit.
Spazierend im Park. Turtelnd im Kino. Zukunftspläne schmiedend in schwedischen und heimischen Einrichtungshäusern. Und nicht zu vergessen die unzähligen Male, als er Lydia zur Arbeit begleitete und jede Faser ihrer Körper noch nach dem gemeinsamen Liebesnest roch.

Ja man konnte meinen ihnen glühten noch die Lenden, aber wenn man einen von beiden darauf ansprach so war es stets: “Rein platonischer Natur!“

Laura nutzte die Entwicklung der Beiden um sich vor Marcos Augen immer mehr rar zu machen. Denn nach wie vor flirtete und schäkerte er in ihre Richtung, um seine draufgängerische Fassade aufrecht zu erhalten. Doch in Lauras Augen war es einfach nur noch lächerlich. Erst recht, als die Zeit der Ausstellung sich dem Ende neigte und er nach Erfüllen seiner Mission ohne Umwege nach Dresden zurückkehrte, um… und jetzt wird’s spannend… Sesshaft zu werden.
Denn immer noch schrieb er ihr und unermüdlich brachte er seinen nimmersatten Trieb auf ihren völlig appetitlosen Schirm.

Laura fand keinen Reim darauf, warum er das machte, also statuierte sie ein Exempel und löschte die Nummer von Marco, damit sie seinen doppeldeutigen und unzufriedenen Nachrichten und Bildern ein für alle mal entging.

Konnte er nicht einfach zugeben, dass all das was er immer offerierte, nur die perfekte Inszenierung eines unperfekten Lebens war?
Das schönreden einer Realität, die er sich tief im Herzen immer anders vorgestellt und ausgemalt hatte?Wäre es nicht auch ein Akt purer Männlichkeit gewesen zu seinen wahren Gefühlen zu stehen und jenes Glück, welches er wohl mit Lydia gefunden hat, auch mit anderen zu teilen?
Doch auch Lydia schwieg sich aus und verbarg, was unlängst als offenes Geheimnis ihren Dunstkreis erfüllte.
Denn neben Marco trat auch ein neuer Job in ihr Leben und so sah sie keine Notwendigkeit zu ihren Gefühlen Stellung zu nehmen.

Und mit jenem Wandel entschwand auch langsam der Sommer aus der Stadt und ein paar Wochen später schon, ging jeder seiner selbsterwählten Wege und so langsam wurde es Herbst…

…. Fortsetzung folgt…

Langsam wird es Herbst….

Thomas Kleinstück am 3. August 2016 um 22:01

Ich liebe diese Tage!

Die ersten grauen, schweren Wolken zwischen sommerlicher Leichtigkeit. Die Abende sind kühler und gelegentliche Schauer ziehen höhnisch übers Land, um Muskelshirts und Flipflops zu ärgern und zu vertreiben. Die Welt zeigt deutlich dass sie Veränderung lebt und gleitet Stück für Stück in den Herbst hinüber.

Und wir?

Gleiten Stück für Stück aus der Barfüßigkeit in die Socken zurück. Während wir auf der Speisekarte des Lebens wieder die Roulade mit Rotkohl und Kartoffeln wählen, an Stelle von Tomate mit Mozzarella und Basilikum.

Und auch unser emotionales Kostüm wechselt die Garderobe. Von „Nein man, ich will noch nicht gehn. Ich will noch ein bisschen tanzen!“, zu „Nein Mutti, ich will noch nicht zur Schule“ ist es in diesen Tagen nur ein winziger Schritt und auch wenn man es nicht wahr haben möchte, aber ich bin sicher, es betrifft uns alle.

Die lockeren Flirts und das austesten, was mit wem in welcher Intensität geht, werden langsam wieder eingemottet und wir verspüren zunehmend den Drang uns in ein Kostüm zu hüllen, welches länger bleibt, als nur für eine Nacht oder gar nur ein paar Minuten.

Sicherlich, viele von uns wollen das so und ich gebe zu, dass auch ich das Herz in den letzten Jahren über eine Autobahn getrieben habe, an Stelle es auf fruchtbaren, saftigen Wiesen sich frei entfalten zu lassen. Und sollte es sich doch einmal auf eine so hoffnungsvolle Lichtung verirrt haben, so tat ich alles daran, es wieder loszureißen.

Fastfood statt Hausmannskost hält in unsere Befindlichkeiten Einzug und verödet so langsam unser Empfinden. Richtig satt jedoch werden wir dabei nie. Doch so wie ein Big Mac vorgaukelt uns zufrieden zu machen, verarschen wir, mit der Schnelllebigkeit unserer Sexualität doch letztendlich nur uns selber.

Denn seien wir mal ehrlich. Wir können uns noch so beharrlich einreden, dass Beziehungskisten und dieses ganze emotionale Gedöns, von wegen Bindung und Rechenschaft ablegen wollen, nix für uns ist. Wenn der oder die Richtige vor uns steht, werden wir diese wilden Thesen alle über den Haufen werfen und wir werden bereit sein und wir werden wollen und wir werden uns dabei ertappen Rechenschaft abzulegen und wir werden es lieben, weil wir lieben!

Sonst könnten wir uns den ganzen Dating-Mist doch sparen. Ist es nicht so?

 

Komplett anders und doch der Selbe! 2

Thomas Kleinstück am 31. Juli 2016 um 23:49

Beide Frauen waren wunderschön und so unterschiedlich vom Typ, dass sie gleichermaßen einen gewissen Reiz auf Marco ausübten.

Seinen doppelten Espresso servierten sie jedenfalls tadellos und so war es ein erregender Hochgenuss für ihn herauszufinden, ob sie an anderer Stelle auch so serviceorientiert wären und vielleicht sogar den ein oder anderen Fetisch bedienten.
Der kleine große Abenteurer in ihm war jedenfalls geweckt und so bekamen im Abstand von zwei Tagen sowohl Laura, als auch Lydia, beide nichts ahnend voneinander, nebst einem prahlerischen Trinkgeld, etwas, in Marcos Augen noch viel wertvolleres zugesteckt… nämlich seine Nummer.
Ein Schwerenöter durch und durch!
Dass er jedoch keinen Hehl daraus machte, schob ihn in ein sympathisches Licht.
Doch nicht beide Mädels sprangen gleichermaßen darauf an.

Während Lydia ihn als die Cola in der Wüste sah und ein freies Herz für befreite Leidenschaft unter ihrem hervorstechend gepushten und von Rüschen gesäumten Dekolleté mit sich trug, gab es in Lauras Leben zwar keinen bestimmten Mann dem sie hätte eine Rechenschaft ablegen müssen, jedoch begegnete sie seinem fahrigen Lebensstil mit Skepsis, da sie immer wieder an Männer geraten ist, denen sie gerne eine Rechenschaft abgelegt hätte, sie es aber nie von ihr verlangt hätten, da sie Lauras lockere, unkomplizierte Art auf die ganze Beziehung zu ihr assoziierten.

So kam es dass Laura und Marco zwar ständig in Kontakt standen, sie ihn aber nie über die begrenzten Pixel ihres Handydisplays hinaus an ihn heranließ.
Warum auch?
In nahezu jedem zweiten Satz bekundete er seine Rastlosigkeit und dass er sich höchstens noch drei Wochen hier in Dresden sah. So lange wie sein Job hier eben noch dauerte.
Seine Aufgabe bestand darin, dafür Sorge zu tragen, dass Kunstgegenstände und Schätze aus aller Welt und aus allen Sammlungen, seien sie nun im privaten oder staatlichen Besitz, geschützt und unter den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen von A nach B gelangen konnten.

Wenn beispielsweise der Harsdorfer Pokal, einer Sonderausstellung wegen, den Weg aus dem Bayrischen Nationalmuseum München in die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden antreten soll, so holt man sich entweder die Gelben Seiten, oder jemanden der sich damit auskennt.

Sowie Marco.

Gegenwärtig, so konnte man sagen, war er sogar in himmlischer Mission unterwegs und handelte im Auftrag Gottes.
Es galt seine hingebungsvolle Obacht und Fürsorge der Madonna Di Foligno zu widmen,welche erstmals die heiligen Hallen der Vatikanischen Museen verlassen durfte, um im Rahmen einer einzigartigen Ausstellung, Seite an Seite mit der Sixtinischen Madonna, die ehrwürdigen Wände des Zwingers zu erleuchten und mit ihrem Glanz zu adeln.
Es war fast schon eine ulkige Laune des Schicksals, dass wenn die heiligen Relikte die Stadt wieder verlassen würden, sie von einem Satansbraten wie Marco begleitet werden sollten.
Denn was er auf die paar bunten Pixel von Lauras Handydisplay brachte, war alles andere als Christlich und eine klare Ansage in Wort und mit Vorliebe auch in Bild!
Doch Hunde die bellen beißen nicht und in Lauras Fall wäre es für Marco ein Granitfelsen gewesen. Zu verlieren hatte sie nichts und ein wenig musste sie sich eingestehen, dass die Verlockung doch schon groß war.

Eine flüchtige Affäre. Etwas wildes, aufregendes, verruchtes. Kurzweilig und zu tiefst belebend!

Aber nein, sie ließ die Finger von ihm und so bestellte er bei Laura vergebens, was er an anderer Stelle wesentlich leichter und schneller serviert bekam.

… Fortsetzung folgt…

„Unterm blauen Himmel“

Thomas Kleinstück am 31. Juli 2016 um 23:38

 

Ich schlag meine Hände im Nacken zusammen und werfe mich zurück,

zwischen Gräsern, Klee und Pusteblumen, verlier ich mich ein Stück.

Zwischen weißen Wölkchen badet die Sonne, die warm und sommerlich brennt,

wie ein Tagtraum fliegt mein Blick hinauf zum stahlblauen Firmament.

Ein milder Wind umsäuselt mich und hält mich an zu lauschen,

ein salzig Hauch liegt in der Luft, das Meer beginnt zu rauschen.

So spür ich das Prickeln und fühle das Kitzeln türkis umspülter Waden,

seh flinke Flundern und schwerelos Quallen in lauen Wogen baden.

Grab tief die Zehen in den weichen Sand, mein Blick schweift in die Ferne,

zwischen den Wellen ein Sonnentanz, wie tausend weiße Sterne.

Das Rauschen und der Ruf der Möwen lullen mich wohlwollend ein,

und ich lass mich auf meiner Sandbank fallen und schlafe selig ein.

Ein blaues Bild erfüllt mich nun, ein warmer Tag am Meer,

nichts dämmt und trübt die Klarheit ein, nichts macht das Leben schwer.

Sollt dieser Tagtraum mir je entrinnen, wie Sand durch meine Hand,

ich wieder auf meiner Wiese liegen und nimmer am cremefarbnen Strand.

Dann mal ich mir diesen Tag am Meer hoch oben ins Himmelblau,

denn voller Sonne soll mein Himmel sein und niemals wieder grau.

Thomas Kleinstück, 26.05.2014