Pimp my Face

Thomas Kleinstück am 8. Februar 2010 um 21:02

Ich bin ein oberflächlicher, von Eitelkeit getriebener Mensch… ist das so?

Persönlich sehe ich es natürlich weniger verbissen, denn die Optik ist in fast 100% aller Fälle der erste ausschlaggebende Eindruck, auf alles. Sei es ein Individuum als Mensch oder Tier, sei es eine Blume oder ein Haus, oder sei es einfach nur das Billy Regal aus unserem schwedischen Liblingseinrichtungstempel. Wenn das äußere nicht irgendetwas mit sich bringt treten wir meist lieber einen Schritt zurück anstelle von näher heran. Ein gepflegtes Äußeres verkauft sich leichter und problemloser, so hat es die Vergangenheit gezeigt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man mit einem gesunden Perlweislächeln und einem zum dahinschmelzen schönen Augenaufschlag sehrwohl ein gesundes Maß an Doofheit retuschieren kann… Jawohl!

Nun gibt es für alle jene, die sich ab und zu mal im Spiegel betrachten und beim überfliegen ihres Erscheinungsbildes… in erster Linie dem des Gesichtes… es nicht unterdrücken können, für einige Stellen ein von Abneigung zeugendes “Ihgitt” herauszuwürgen, eine wunderbare Sache, die sich Schönheitssalon schimpft und sich in meinem Falle nur ein Steinwurf entfernt von der Haustür befindet. Da ich weder sehr schwungvoll Steine werfen kann, noch im schulsportlichen Kugelstoßen eine Eins wert war, könnt ihr euch sicher vorstellen dass ich quasi nur einmal auf die stürze schnauzen muss um dort hin zu gelangen.

Was mir persönlich als Störfaktor vorkam und mich letztendlich in den Salon trieb sind meine Milien… igitt, die sich zu einer lustigen Grießkornparty in meinem Gesicht versammelten und zu meinem Leidwesen eine ausgelassene Polka tanzten. Wer schön sein will muss leiden, so sagt man doch und so legte ich vertrauensvoll meinen Kopf unter die sanften Hände, einer sanftmütigen Frau und ließ sie mir ausstechen. Zu meinem erstaunen empfand ich die Prozedur als unwahrscheinlich angenehm und entspannend und darüber hinaus ließ ich mir noch ein wenig Honig um den Mund schmieren, als sie zärtlich über meine Wimpern strich und deren länge in den Himmel lobte. Es fühlte sich an wie der Flügelschlag eines Schmetterlings. Wenn ich aber einmal schon dort lag ließ ich es mir nicht nehmen meinem ganzen Gesicht eine kleine Kur zu gönnen und so willigte ich ein mir noch die Augenbrauen zupfen zu lassen… natürlich nur den Feinstaub, das Unkraut… quasi den Wucher der zur Unförmigkeit führt. Denn eigentlich bin ich mit meinen Brauen mehr als zufrieden. Doch damit hörte der Spass dann schon fast auf. Denn Augenbrauen zupfen… lasst es euch sagen… tut einfach nur weh und ist alles andere als angenehm! Hut ab ihr Frauen, die ihr es doch so oft praktiziert!

Nun ja, wie dem auch sei. Im Zeitalter der Emanzipation ist es alles andere als peinlich für einen Mann, in einen Schönheitssalon zu gehen und sich etwas aufwerten zu lassen… natürlich alles im humanen, natürlichen Bereich… denn als Clown lebt der Alltag sich auch nicht leichter. Ich unterstütze also den Aufruf zu “Pimp my Face” und so hetzte ich heute von Arbeit aus zu meinem zeitlich etwas knapp angesetzten Termin und kam völlig gestresst dort an. Doch spätestens bei der zwanzig minütigen Gurkenmaske, welche so frisch wie eine saftige Melone im Sommer roch, war die eine Stunde Rundumerneuerung zu einer Stunde Urlaub geworden. Ohne Mist! Fast wäre ich eingeschlafen und ein paar zerfetzte Traumsequenzen flogen vor meinem geistigen Augen vorbei. Es ist eine sehr empfehlenswerte Sache und ich lege euch dazu meinen Salon des Vertrauens ans Herz, denn im “Schönheitsstudio Ilonca” ist das Gesicht und der Körper mit samt seinem Geist, bestens aufgehoben. Eine wunderbare Erfahrung!

Kopf oder Herz, der ewige Schmerz…

Thomas Kleinstück am 15. Januar 2010 um 00:44

Meine Gedankenwelt ist erregt, aufgewühlt und verfolgt mich am Tage und ebenso in der Nacht mit surrealen, mehrfach interpretationsfähigen Bildern. Ein Zwiespalt… ein innerer Kampf… ein gottloses Gemetzel… welches weder Fleisch noch Blut verletzt und vergießt. Wie so oft verliert sich mein Abend in den endlosen und alles verzerrenden Weiten des Cyberspace und lässt die Stunden bei unwirklichen Chatplaudereien in der Dunkelheit verschwinden… verloren gehen. Doch mein imaginäres Gespräch mit einem real bekannten Freund, ließ mich eine Frage verlauten lassen… deren Antwort ich erhielt und deren Wille mir auch glaubhaft erschien… doch deren Wortlaut an dieser Stelle irrellewand ist und so werfe ich jene Frage noch einmal in den Raum und bitte um eine Antwort, welche in meinem Kopfe schon feststeht… doch bitte ich auch, wenn jemand antwortet… so solle er es bitte ehrlich tun und unabhängig von geschriebenem Wort und Vorstellungskraft… nur aus der dargestellten Situation heraus… tun…

… folgendes Bild:

… ein junger Spross, von frischem Grün, eine Efeuranke oder Früchte bringender Wein, bahnt sich langsam seinen Weg um ein verwitterndes, von spröder Farbe gezeichnetes Holzfenster. Niemals vorgesehen, oder von Menschenhand gepflanzt, dennoch im Garten… den du dein Eigen nennst… dennoch am Hause… welches du dein Eigen nennst… welches du durch eigene Kraft und eigenes Geld errichtet hast. Er nähert sich bedrohlich der Dachrinne und droht sie zu zerstören, zu verstopfen… unbrauchbar zu machen. Doch wie sich der morgendliche Tau in einer jungen, aufgehenden Sonne an seinen Blättern, wie zart geschliffene Diamanten oder wohlgeformte Perlen aalt und sein immer dichter werdendes Blattwerk eine Zuflucht für darin nistende, vom Frühling erwachte Vogelfamilien bildet…wie ein  leises Summen von Insekten deine Ohren umsäuselt und dich ein Duft erreicht, wie ein Tropfen des Fruchtsaftes, eines frisch angebissenen Apfels, auf deinen Lippen… wirst du vor eine Entscheidung gestellt…

… was würdest du tun?

Leute zieht euch warm an, Tief Daisy greift den Darm an!

Thomas Kleinstück am 10. Januar 2010 um 20:53

Seit Tagen wird von nichts anderem Berichtet. Wir erwarten nämlich Besuch, oder nein, der Besuch ist schon da. Wie ein absoluter Superstar überschwemmt sie die hiesige Medienlandschaft und ist in aller Munde. Ihr gehört die komplette Aufmerksamkeit und sie wird empfangen als wäre der Leibhaftige persönlich unterwegs. Nur von dieser Besucherin wird erwartet dass sie so schnell wie möglich wieder verschwindet und um Einlass wird sie sicher niemand bitten, den verschafft sie sich selbst.  Aber warum? Unsere liebe Daisy ist doch mal ein Besucher wie er im Bilderbuche steht. Sie kündigt sich vorher an, sie kommt nicht in einer Zeit, in der man absolut nicht mit ihr zu rechnen hat und darüber hinaus bringt sie Geschenke mit und davon nicht zu knapp. Allerhand fantastische Sachen hat sie im Gepäck. Zum Beispiel Schnee… genug das es für alle reicht… Blitzeis… sie beschenkt sogar unsere Umwelt… Kälte… sie bringt unseren Kreislauf mal richtig in Schwung…  und ein starkes, steifes Lüftchen… welcher Gast macht sich schon die Mühe, dort wo er einkehrt, auch gleich mal richtig durch zu fegen und zu lüften? Was regt ihr euch also auf? Denn wo schlecht gelüftet wird, da schimmelt es!

Natürlich sind das für den verwöhnten Mitteleuropäer nicht grade die passenden Geschenke und werden wohl liebendgerne abgelehnt oder gar umgetauscht, aber ein guter Gastgeber empfängt seinen Gast und bittet ihn zu bleiben und einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich auch nicht ins Maul. Das Beste an Tief Daisy ist ihre Popularität. Die Medien überschlagen sich nahezu um von ihr berichten zu können und sie lenkt so herrlich von all den anderen Problemen ab und bringt so wunderbare Nebenwirkungen mit. Da wird dann aufgerufen Hamsterkäufe zu tätigen. Getreu nach dem Motto, wir rufen ab jetzt jede Woche einen kleinen Weltuntergang aus und die Konjunktur ist gerettet. Als nächstes wird darum gebeten unnütze Wege zu vermeiden und das Auto stehen zu lassen. Mein Tipp: Lasst das Auto stehen, aber geht dennoch raus, denn das soll recht wirksam gegen Zellulitis sein… Bewegung an der frischen Luft… wir erinnern uns? Aber mal ehrlich ist das was da draußen vor sich geht denn wirklich ein Problem? Ich meine Schnee im Winter ist nun wahrlich nicht sehr originell.

Da wird ein Mann in seiner völlig verschneiten Einfahrt stehend interviewed und hat fast eine Träne im Auge als er berichtet, dass es das schlimmste ist was er je erlebt hat. Mein Gott! Vor ein paar tausend Jahren hätten die Menschen im Schnee gestanden und ihren Verstand eingeschalten. Sie hätten die Vorräte die sie im Laufe des Jahres gesammelt und erlegt haben im Schnee eingebuttelt und es damit haltbar gemacht, ihm damit etwas gutes abgewonnen. Sie hatten schließlich nicht die Möglichkeit von morgens um sechs bis abends um zehn in den nächsten Supermarkt zu rennen um am Sonntag noch mal in den Lidl am Neustädter Bahnhof zu ochsen, weil sie die Butter vergessen haben. Sie haben sich nicht in ihre vier Wände eingeschlossen und mit ihrem Verstand Ping Pong gespielt, in der Hoffnung das irgendwann mal ein brauchbarer Gedanke wieder zurückkommt. Damals hätten zu allem Überfluss noch ein paar hungrige Wölfe die Eisblumen von den Fensterscheiben geleckt, weil sie drinnen den großen braten wittern… den Braten in Form von Menschen die vor Verzweiflung unfähig zur Wehr sind und damit ein gefundenes Fressen darstellen.

Dann gibt es da ja noch das sonst so milde Irland… irgendwo unter der weißen Pracht verborgen liegt es still und schlummert dem Frühling entgegen. Nun ja, da bleibt mir nur noch abschließend zu sagen: Haben die Menschen denn erst vorsichtig angefragt, als sie irgendwann mit ihrem “klugen” und “vortschrittlichen” tun über die Natur hereinbrachen?

Ein noch nie gesehener Gegenstand

Thomas Kleinstück am 7. Januar 2010 um 15:01

… Ravel legte den Kopf auf Tamalas Schulter und schnaufte erschöpft. ” Na Toll! So eine blöde Kiste schaft es mich einzuschüchtern. Wahrscheinlich ist sie mit einem Zauber belegt. Ich habe es schon immer gewusst…” ” Merle ist doch keine Hexe!”, fiel ihm Tamala ins Wort. “… und wie erklärst du dann meine krabbelnden, geröteten Augen? Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu!” ” Hexen und Zauberei gibt es nicht, das weist du. Hättest du eher deinen Verstand eingesetzt und nicht wie wild auf die Truhe eingehämmert, dann wärst du jetzt noch besser bei kräften. In deinem Zustand schaffst du es wahrscheinlich nicht einmal mehr diesen Schlüssel hier zu bewegen…”, mit diesen Worten öffnete Tamala ihre Handfläche und gab für Ravel den Blick auf ihr Fundstück frei. ” Willst du mich verarschen!? Wie lange lässt du mich schon mit diesem alten Stück Holz kämpfen?”, nörgelte Ravel. ” Lange genug um es zu genießen!”, entgegnete Tamala über den Dingen stehend. ” Jetzt mach schon und steck ihn rein. Ich platze vor Neugier!”, drängelte sie ihn. Ravel nahm den Schlüssel und ließ ihn sachte ins Loch gleiten. Es wäre ja nicht der erste, welcher an dieser Truhe zu Bruch gehen würde. Er drehte ihn behutsam nach links und mit einem schnalzen, sprang der Deckel der Holzkiste auf.

Ein quarderförmiges, in Zeitungspapier eingewickeltes Päckchen kam zum Vorschein. Tamala nahm es heraus und begann es auszuwickeln. Es war in eine Tageszeitung aus längst vergangener Zeit eingewickelt und langsam nahmen Tamalas Hände die Farbe der Druckerschwärze an. Sie legte das abgewickelte Papier beiseite und begutachtete mit offenem Mund den Gegenstand, welcher sich darin verbarg. Sie strich über die samtige Oberfläche und warf einen flüchtigen Blick zu Ravel. ” Hast du eine Ahnung was…”, “… das sein könnte?”, vollendete Ravel ihren Satz, der genauso skeptisch und überfordert das Ding in ihren Händen betrachtete. “Schlag es doch mal auf.”, sagte Ravel. Sie legte den ockerfarbenen Deckel um und blätterte ein wenig darin. Ravel versuchte sich das niesen zu verkneifen und eine dicke Träne kullerte seine Wangen hinunter. ” Sieht fast so aus wie eine Zeitung, nur Dicker und schwerer und scheinbar nicht gedruckt.”, stellte Tamala fest. ” Wenn das überhaupt eine Art Schrift dartstellen soll, das kann doch kein Mensch lesen!”, wunderte sich Ravel, ” Bis auf die Zahlen, ganz unten. Siehst du?” Schnell blätterten sie die teilweise eingerissenen Blätter durch. Sie waren leicht gelblich und die Schrift, wenn es denn eine sein sollte, war stellenweise verwischt und hier und da gar nicht mehr erkennbar. Ravel wollte den Gegenstand an sich nehmen und griff danach. Doch im gleichen Atemzug zog er die Hand wieder zurück und steckte sich den Zeigefinger in den Mund, ” Autsch, verdammt! Ich hab mich geschnitten!” Die Kanten der Blätter waren mit Gold versehen und so scharf wie eine Rasierklinge. ” Ein wunder das du dir noch nichts gebrochen hast, bei der Hektig die du immer verbreitest…”, fuhr Tamala ihn an. Sie deutete mit einem Kopfnicken auf die kleine Truhe und legte das Ding erst einmal bei Seite, ” Schau in die Truhe Ravel, dort ist noch etwas.”…

“Winter”

Thomas Kleinstück am 6. Januar 2010 um 19:42

Stille sinkt auf uns hernieder, durchbrochen von warmen Lichtern. Sie kratzen ihre Autos ab, in tiefen Wehen… der Grund ist glatt, sie haben die Kälte jämmerlich satt, diese bleichen frustrierten Gesichter.

Sie verachten diese Ruhe, keiner der sie genießt. Sie nichts auf eisig Straßen hält, schwarz und weiß ist ihre Welt, Stern für Stern auf ihre Lieder fällt und durch falsche Wärme zerfließt.

Sie wollen die Vielfalt, dass bunte im Leben und so schließen sie sich ein. Doch die Natur nur ihre Farben bedeckt, sie sind nicht verschwunden… nur versteckt, der Frühling sie irgendwann neu erweckt und noch viel schöner werden sie sein.

Kommt raus aus den Häusern und seht was es macht. Schlittert auf dem Eise, baut Schneemänner haufenweise, genießt das kühle weiße, erfreut euch der märchenhaften Pracht.

Denn wahrlich ein Märchen ist`s was der Winter und das nicht nur für unsere Kinder, aus dem herrlichen Dresden macht.

thomas kleinstück, 06.01.2010