Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah…

Thomas Kleinstück am 31. Juli 2010 um 19:32
Thomas Kleinstück, 31.07.2010

Schlaflos in Dresden…

Thomas Kleinstück am 27. Juli 2010 um 04:56

Ich kann nicht schlafen. Das ist nichts neues, denn zur Schlaflosigkeit tendiere ich…

… ich stehe auf und lege mich hin, ich stehe wieder auf und lege mich abermals hin… das mache ich solange bis mir jegliches Bewusstsein dazu fehlt, in welcher Reihenfolge ich dieser Tätigkeit nachgehe…

… ich möchte Schäfchen zählen. Doch leider ziert keine einzige Wolke das nächtliche Firmament… es bleiben die Sterne…

… ich verzähle mich immer und immer wieder und komme zu dem Entschluss, die mir unlogische Materie der Mathematik ein für alle mal sein zu lassen…

… etwas handfestes muss her…

… ich greife zum Weißwein und fülle einen guten schluck davon in mein Rotweinglas…

… er steigt zwar zu Kopf, doch er macht mich nicht glücklich. Ich lasse die Pfütze des billigen Fusels auf meinem Tischen stehen und sehe gespannt zu, wie sich eine Obstfliege aus lauter Langeweile darin das Leben nimmt…

… ich wollte doch glücklich sein…

… ich greife nach einer Hand voll kleiner Schokoriegel. Jene mit 85% Kakao sind zu krümelig und zu trocken für die herrschende Finsternis und jene mit 65% Kakao zu weich und zu klebrig…

… der Mülleimer kommt mir grade recht…

… ich kann nicht schlafen, obgleich ich doch müde bin und stelle mir vor, dass es sich ebenso anfühlen muss wenn man denkt dass man tot ist… obwohl man doch lebt…

… ich bemerke, dass die Nacht mit voranschreitender Stunde nicht dunkler wird und die Sonne um halb fünf sich die Mühe nicht macht über den Horizont zu klettern…

… für was auch?…

… die vorbeifahrenden Autos? Jedes fünfte davon hupt und jedes zweite ist eine Straßenbahn…

… ein frischer Atem umsäuselt mein Haupt und die Fliege im Wein versucht mit letzter Kraft den steilen Rand des Glases zu erreichen… Warum?…

… ich beginne die feinen Härchen zu zählen, welche sich auf meinen Unterarmen aufstellen…

… zu verwirrend…

… als würde ich die von Dornen besetzten Tentakeln eines Brombeerstrauches ordnen wollen…

… und überhaupt, Mathe…

… unten im Hof ist jemand damit beschäftigt die Tonnen, welche vor vier Stunden noch von einer alten Frau nach brauchbaren Überresten durchforstet wurden, an den Rand der Straße zu bringen…

… fünf Uhr morgens…

… der große Wagen verschwindet hinter dem Fürsten unseres Daches, der immernoch wolkenlose Himmel kleidet sich langsam in stählernes blau und die nächste Bahn trudelt mit dem ersten Vogelgezwitscher des Tages ein…

… aus einem weit geöffneten Fenster des Nachbarhauses hängt die Gardine heraus und haftet am grauen Putz, wie das Netz einer Spinne in einer Buchsbaumhecke…

… der bald schon volle Mond beginnt sich in einem Duell zu wehren, von welchem er genau weis dass er es verlieren würde…

… und ich?…

… ich wehre mich nicht mehr und stehe auf…

… die Sonne grüßt und streckt ihre Fühler einem sommerlichen Tag entgegen.

Diskretion Bitte…

Thomas Kleinstück am 26. Juli 2010 um 13:45

Die Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Nahezu jede Frau erlebt diese Phase auf ihre ganz individuelle Weise. Von Unterleibskrämpfen, bis Kopfschmerzen, von Übellaunigkeit… meist hervorgerufen durch eben genannte Schmerzen…, bis Lustlosigkeit. Die einen bluten stark, andere fast gar nicht, manch eine nur einmal und wieder andere ununterbrochen. Diese Auffälligkeiten und Nebenwirkungen… welche der Beipackzettel des weiblichen Zyklus mit sich bringt… sind unumgänglich und keine Frage der Interpretation betreffender Personen, sondern eher eine Frage der Beschaffenheit des auslebenden Organismus. Kurzum, eine Frau muss es nehmen wie es kommt, wenn es kommt und das tut es bei jeder, aber eben sehr unterschiedlich definiert… so wie man ohnehin nicht alle Frauen über einen Kamm scheren kann. Punkt!

Da es in unserer von Testosteron verseuchten Regenbogengesellschaft… damit ist das schwule Völkchen gemeint… keine menstruierenden Mitglieder gibt, obgleich man bei einigen unter uns den Eindruck nicht los wird sie hätten mehr Östrogen als Testosteron am Start und steuern grade Wegs auf die Menopause zu, möchte ich mich mit einer Sache beschäftigen, welche klar definiert ist, aber leider einer sehr individuellen Eigeninterpretation von Person zu Person unterliegt… die Diskretion… ist eine Geschichte voller Missverständnisse!

Allgemein betrachtet handelt es sich dabei um eine Tugend, welche der Unverbindlichkeit unterliegt und nach eigenem Ermessen angenommen und gelebt werden kann, aber anderenfalls auch unter den Teppich gekehrt werden darf.

Wenn ein Freund einem Freund den unverbindlichen Vorschlag macht, abends eine Bar auf zu suchen und etwas zu trinken und der gefragte wiederum einen Dritten, wohlgemerkt einen gemeinsamen Freund, der Bereicherung wegen ebenso unverbindlich fragt ob er mitkommt, so unterliegt dieser Phopa keiner Indiskretion, sondern vielmehr einer mangelnden Absprache. Denn aus der oben geschilderten Situation geht weder hervor, ob der Fragende jemanden mitbringt oder noch Dritte bzw. Vierte zur Gestaltung des Abends beziehen würde, noch geht daraus hervor, dass es ein Abend in vertrauensvoller Zweisamkeit werden sollte, ein Date wenn man so will. Wenn an einem solchen Abend ein gemeinsamer Ausflug in Erwägung gezogen wird und dies wiederum, vom sich eben noch über Indiskretion beschwerenden Part der Verabredung, an einen Gemeinsamen Freund weiter getragen wird, so sollte man für diese beiden Situationen das Wort Diskretion diskret unter den Tisch fallen lassen. Denn das eine hebt in diesem Fall das andere auf und ist weder exestenziell, noch rufschädigend. Die Waagschalen sind quasi identisch gefüllt.

Dann gibt es noch jene Situationen in denen sich der ein oder andere von uns peinlich berührt fühlt und das Wörtchen Diskretion formvollendet in der Tasche verschwindet oder besser gesagt weder im Fremdwörterbuch noch in irgend einem anderen Nachschlagewerk unserer zivilisierten Gesellschaft zu finden ist… quasi vom Erdboden verschluckt wurde!

Wer kennt das nicht? Da sitzt man mit vier oder fünf weiteren Persönchen an einem Tischchen einer herkömmlichen schwulen Lokalität und wie es der Zufall so will ist der Tisch gegenüber in nahezu ähnlicher Konstellation besetzt. Natürlich kommt ein Zufall selten allein und so kennen sich mindestens zwei Personen der jeweiligen Tische gut oder nur flüchtig, zwei weitere kennen sich innig oder sind gar verwand oder verschwägert und wieder andere sind sich spinnefeind oder mindestens nicht grün untereinander. Ihr seht der Zusammenhänge sind keine Grenzen gesetzt und so ist genug Stoff geboten, dass irgendwann eine der beiden Parteien beherzt unter die Gürtellinie greift und vorholt was sich dort verbirgt. Abgründe und Frivolitäten formen nun das sonst so rauchige Ambiente und wenn man auch nur damit beschäftigt ist an einem Kurzen zu nippen, so wird man mit dem schlucken nicht mehr fertig.

Spätestens jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, dass die fiesesten aller Abgründe mit selbstgebauten Brücken überschritten werden. Es wird auf den Tisch gelegt was geht und was zwischen Pfeffi, Erdbeerlimes und Becks Green Lemon noch genügend Platz findet um ordentlich breitgetreten zu werden, einschließlich sexueller Neigungen, welche im Romeo unter der Rubrik “Fetisch” keinen Platz eingeräumt bekamen. Wenn man so will, sämtliche Themen welche sich in der schwulen Szene wie ein Lauffeuer verbreiten und sich dort äußerster Beliebtheit erfreuen.

Auf halb eins sitzt der und der, auf viertel vor neun hat der mit dem, der auf zehn nach elf hat dies und das und der auf drei Uhr schuldet dem der grade nicht da ist dies, das und jenes. Und überhaupt, der der grade nicht da ist ist der schlimmste von allen! Eine unzensierte, ungeschützte Bloßstellung in Zimmerlautstärke… damit es auch jeder endlich weiß… wie man sie in einem dieser haarigen sechziger Jahre Pornos nicht finden würde… gruselig!

Doch derartige Sachen passieren nicht nur in ausgewählten Örtlichkeiten, in denen der schwule Lifestyle zu hause ist und an deren Tür sich ein kreisrundes Hinweisschild befindet, auf dem das Wort Diskretion durchgestrichen ist und darunter ein Zusatz prangt: Wir müssen draußen bleiben! Nein es passiert zu jeder Zeit an jedem Ort, mit jeder beliebigen Person. Da muss nur ein durch Bier und andere Alkohlitäten desorientierter und völlig aufgeschwämmter Fussballfanatiker vorbei gestolpert kommen und schon kommt von Seiten anderer und so dass es für jeden vernehmbar ist, einschließlich der betreffenden Person, das klangvolle Wort… hässlich!

Darüber hinaus wird meines Erachtens nach vorsätzlich in jeder redseligen Runde ein Stühlchen freigehalten. Nicht in der weisen Voraussicht  dass noch jemand dazu stößt, nein, einige Menschen schaffen es trotz physischer Abwesenheit die Runde zu bereichern und sind in aller Munde… mittendrin statt nur dabei. Jenen Menschen wird dieser Fokus meist missgönnt und dennoch schaffen sie es, da ja genug Gesprächsstoff über sie existiert, den lustigen Kaffeeklatsch zu bereichern und ungefragt… denn eigentlich wollte es niemand in der Runde so… sich im Mittelpunkt des geselligen Beisammenseins und der uneingeschränkten Aufmerksamkeit zu suhlen. Und es drängelt sich mir die Frage auf: Ist das nur bei uns Homos so?

Gäbe es auf den Straßen von Gaytown Diskretionslinien, wie man sie in hiesigen Sparkassenfilialen findet, so wäre man sich entweder ihrer Bedeutung nicht bewusst, oder sie würden durch Durchgängigkeit nicht das Verbot des Übertretens symbolisieren. Sie wären viel eher in gestrichelter Form vorzufinden und würden zum beherzten überschreiten einladen.

Discretio! Ein Talent in allem das gesunde Maß zu finden und ausgewogen das zu viel und zu wenig zu unterscheiden. Auch wenn dem Klosterleben der Benediktiner durchaus etwas homoerotisches abzugewinnen ist… ein Haufen schweigsamer Mönche, betend hinter steinernen Mauern und unter ihren Kutten nichts weiter tragend als Sünde… so hat es wohl einen Grund dass uns die Pforten zu Eden verschlossen bleiben oder wir uns dazu entschlossen sie niemals zu öffnen, obgleich ich in Anbetracht der oben genannten Thematik die Abgeschiedenheit und den Zölibat als tugendhafter und erstrebenswerter betrachte. Denn ohne den Grundsatz der Diskretion wären wir dort völlig deplatziert, vom hervorgerufenen Unwohlsein, durch Verschwiegenheit und Tratschverbot ganz zu schweigen…

… Grundsätzlich ist nichts falsches darin erkennbar, wenn man zwei drei Personen hat denen man sich anvertrauen kann und mit denen man offen über alles reden kann, denn manch ein Rucksack ist einfach zu schwer um ihn alleine zu tragen und reden bedeutet auch, sich einiger unnötiger Gegenstände daraus zu entledigen… sich davon zu befreien… immer im gesunden Maße und ohne dabei die Öffentlichkeit einzubinden. Es sollte stets auf der pergamentartigen, seidenen Hülle eines Konkons basieren, welchen wir Vertrauen nennen und welchen wir alle schützend um uns tragen. Die Diskretion spielt dabei eine große Rolle und ist, neben vielen weiteren Komponenten eines stabilen Gewebes, nur eine Faser zur Festigung und hilft dabei, dass aus kleinen Haarrissen, welche der Kokon bei jedem von uns aufweist, keine klaffenden, nie mehr zu flickenden Löcher werden. Löcher in unserem Bewusstsein. Amen!

Behüter der Momente…

Thomas Kleinstück am 23. Juli 2010 um 22:08

Regen, Regen falle sanft, lösch ab die erhitzten Gemüter und forme in unseren Träumen aus Glas, einen Engel, einen stummen Behüter.

Wiese nähr dich,

Leben zehr dich,

leg ab der Tage Pein…

wasch die Gedanken

die in der Wüste versanken,

von Trübsal und Missmut rein.

Falle, falle reiner Regen, schwemm fort die Melancholie, auch wenn wir einen Platz in der Sonne suchten, doch verbrennen sollt sie uns nie.

Gedanke wehr dich,

Besinnung kehr dich,

die Zukunft ist nicht verloren…

denn Momente werden

im Geiste nicht sterben,

und Tag für Tag neu geboren.

Und der Engel, der jene Träume trägt… jede Wolke durchbricht, obgleich er nicht immer Hoffnung sät, so wandelt er dennoch im Licht.

thomas kleinstück, 23.07.2010

Wer lesen kann ist klar im Vorteil.

Thomas Kleinstück am 23. Juli 2010 um 14:01

Heut ist ein guter Tag zum schreiben! Die Wolken, welche sich zum gestrigen Abend in Form eines Sommersturmes über unseren Köpfen zusammen rührten, scheinen sich manifestiert zu haben und sind fest davon überzeugt der Sonne heute den Hahn ab zu drehen und mich durch den Tag zu begleiten, wie morsches Blattwerk, welches sich nach einem ausgiebigen Regenguss an meine Flip Flops heftet. Dabei war gestern doch nur ein ganz normaler Tag für mich. Ein Tag wie es ihn in den letzten Monaten nur zu häufig gab und wie er in das kleine Leben des Thomas Kleinstück nur all zu gut hinein passt… der ganz normale Alltag eben!

Er fing gemächlich an und hielt im großen und ganzen nichts spektakuläres parat. Das Telefon schwieg, die Wohnung war leer und auch sonst begegnete mir nichts, was mir hätte spanisch vorkommen sollen. Zum späten Nachmittag brach ich dann auf um ein paar Dinge einzuholen. Ich brauchte Zucker für den Kaffee, Tetrapackrotwein für den Kopf und Smoothies für die Seele!

Beim durchforsten der Regale fiel noch etwas anderes in meinen Karton, was sich durchaus gut für die Seele eignete und mit den restlichen Utensilien nach einem ganz gemütlichen DVD Abend aussah. Schnell noch einen Abstecher in den Zeitschriftenladen gemacht und etwas Lektüre im XXL Format gekauft… in der Tat hatte das Objekt meiner Begierde das Format von zwei aneinander liegenden DNA 4 Blättern und sorgte bei der Verkäuferin für Belustigung, da mich das Magazin quasi ansprang, ich es aber ums Verrecken nicht gesehen habe und mich dann auch noch erkundigte ob es meinen Favoriten gar nicht gäbe… und dann nichts wie Heim und in den Abend starten.

Zu hause angekommen, machte ich mir erst mal nen Kaffee, brachte den Rotwein auf Temperatur und die leicht verderblichen Obstsäfte in den Kühlschrank um mich dann den anderen Dingen zu widmen und mit erstaunen fest zu stellen, dass dort wo Leerbox draufsteht auch tatsächlich Leerbox drinnen ist… wie originell! Also packte ich mein Telefon noch fix ans Ladekabel, denn ich würde es eh nicht mehr brauchen und machte mich auf den Weg das Versäumte nach zu holen… quasi die DVD zu meiner Hülle. Dessen war aber nicht genug. Als ich die Rolltreppe hinunter kam und zum Kaufmarkt einbog, ereilte mich auch schon die zarte Stimme der Zeitschriftenverkäuferin, welche mich voller Ironie fragte was denn mit meiner Zeitschrift werden sollte. Ich war Fassungslos, obgleich mich die Gesamtsituation keinesfalls überraschte, denn derartige Sachen sind kein Einzelfall in meinem Leben und dafür bin ich nicht im geringsten undankbar.

Ich halte also fest, selbst wenn mein DVD Abend mangels DVD ins Wasser gefallen wäre, so hätte ich mir die Zeit nicht einmal mit meiner Lektüre vertreiben können, da ich diese trotz Übergröße im Laden liegen ließ… ergo, ich sollte mir dringend jemanden suchen der auf mich aufpasst, oder auf meine Einkäufe.

Abermals zu hause angekommen hatte ich in der vergangenen halben Stunde und nicht mehr und nicht weniger war es, einen Anruf in Abwesenheit, drei Nachrichten und eine Hihopsbotschaft auf meinem Telefon zu verzeichnen und ich entschied mich den Abend im Kino zu verbringen. Denn dort sind Handys eh fehl am Platz, der Film den ich sehen möchte wäre auf jeden Fall da und lesen muss man auch nicht können… nur hinsehen… hinhören… und den ohnehin schon ausgelaugten Kopf mit ordentlich Gummibärchen verkleistern… herrlich!