Komplett anders und doch der Selbe!

Thomas Kleinstück am 27. Juli 2016 um 19:14

Seit fünf Jahren kannte sie Marco nun schon. Hin und wieder sah sie ihn in der Stadt. Meist aber nur von weiten.

Ein Wortaustausch, oder gar Blickkontakt kam schon seit Jahren nicht mehr vor und das obwohl sie eine ganz eigene Faszination auf die Männerwelt ausübte. Daher rechnete sie grundsätzlich mit allem. Mit ihm jedoch, schon lang nicht mehr.

 Als er vor Jahren in die Stadt kam, arbeitete sie in einem Café am Altmarkt. Die Kunst war es, die ihn nach Dresden trieb und sein Sinn für die herrlichen Dinge in die Arme von so manch schöner Frau.
Marco war ein Abenteurer mit Leib und Seele. Er war überall zu Hause wo auch die Kunst zu Hause war und man sie zu schätzen wusste… auf allen Kontinenten der Welt. Und er besaß das Talent von seinen Reisen und Erlebnissen mit überzeugend großer Klappe zu berichten. Doch auch ohne ein Wort von sich zu geben, mimte er den Robinson sehr überzeugend, denn alles an ihm rief, Wild!
Seine natürlich gebräunte Haut. Seine sehnigen Oberarme. Die muskulösen Waden, die angespannt unter seinen zerschlissenen Bermudas hervorlukten.

Auf seinen Streifzügen rund um den Globus ließ er sich nicht lumpen und trieb genüsslich auf den mannshohen Wogen seiner Sexualität. Er war sich bewusst welchen Ruf man ihm andichtete und er bediente sich hinreichend jenem Klischee.

Getreu dem Motto „Spass macht, was gefällt“, avancierte er nie zum Vollmatrosen, hatte aber dennoch in jedem Hafen eine Nutte… und, ohne einen Hel daraus zu machen, stand er auch dazu.

Es war ein heißer, wolkenloser Septembertag, als Marco, auf der Suche nach einer Erfrischung, sich das erste mal in das kleine Café im Herzen der Stadt verirrte. Die Sonne flimmerte über den Sandsteinfassaden und alles Leben in der Stadt schien sich in Zeitlupe zu bewegen, wenn es nicht grade an einem der Brunnen, unter den Sonnenschirmen, oder einfach nur faul an der Elbe verweilte.
Hier Kleiner! So waren die Worte, mit welchen sie ihm schwungvoll seine grüne Fassbrause servierte.

Ein spitzes Lächeln zierte ihr freches Gesicht und ihre kurzen, schwarzen Haare unterstrichen ihr saloppes Auftreten. Laura war eine gute Mischung aus frech und unnahbar und ihre Trinkgelder waren der Beweis, dass dies ein erfolgversprechender und darüber hinaus sehr köstlicher Cocktail war.

Im kurzen Smalltalk offenbarte Marco ihr sein Leben und gab unmissverständlich zu verstehen, dass sein sprunghaftes Dasein die perfekte Plattform für unkomplizierte, leichte Affären bot.

Eine unkomplizierte Frau war sie durchaus, doch ein leichtes Mädchen auf gar keinen Fall!

Charme jedenfalls hatte er, das musste sie sich eingestehen und ein Augenschmaus war er außerdem, was auch der anderen Kellnerin im Revier nicht entging.
Wenn man Laura neben Lydia sah, so konnte man erahnen welche der beiden der Engel und welche der Teufel war.

Lydia war blond und mit einem sanft gerundeten Gesicht gesegnet, welches mit einem Hauch von Rouge an den Teint einer Porzellanpuppe erinnerte.

Sie war zu unscheinbar um eine Lara Croft zu sein und zu selbstbewusst für eine Bridget Jones. Doch mit ein paar Kilo weniger auf den fraulichen Hüften, war sie durchaus eine passable Marilyn.

-Fortsetzung folgt-

Damals und Heute

Thomas Kleinstück am 15. Juli 2016 um 12:14

Nichts ist so beständig wie der Wandel…

… Oh Gott. Wie oft ich dieses Thema wohl noch durchkauen möchte? Zäh und unnachgiebig wie ein längst schon geschmackloser Kaugummi, aber dennoch zu Schade um es ins Rinnsal der Vergessenheit zu spucken. Denn auch wenn man im Angesicht dieses immer wiederkehrenden Themas das Gefühl nicht los wird, dass sich so gar nichts verändert hat, tut sich doch in unser aller Leben eine ganze Menge.

Während die Einen den Prozess verlangsamen, indem sie unwillkürlich und zu ihrer eigenen Last darüber nachdenken und ja, sogar hin und wieder stehen bleiben um den Prozess gar zu stoppen, scheinen andere so routiniert durch den Zerfall der Zeit hindurch zu rennen, dass sie nur noch die Zahl sehen, die sich verändert, jedoch nicht den Menschen und dabei völlig den Blick dafür verlieren was hinter ihnen liegt, sei es auch noch so wertvoll.

Ein gestriger Dialog, wenn auch nur virtuell, beinhaltete eben jenes Thema. Es ging um den Wandel, die Zeit, das Unabdingbare und das stete Bewusstsein zu wissen was der nächste Schritt wäre. Denn dass es einen nächsten Schritt geben muss, um unsere Zukunft einzuläuten, steht völlig außer Frage. Getan werden muss er. Und darin liegt das eigentliche Problem… die Angst.

Angst vor Neuem, Angst vor Schwierigem, Angst vor Ablehnung und Angst vor Integration. Gesichter hat sie viele, diese Angst, aber kaum eine liegt so schwer auf dem Herzen, wie die Angst davor zu versagen und kostbare Zeit in etwas zu investieren, was am Ende doch nicht so aussieht wie wir es uns vorgestellt haben.

Ich kann mich noch daran erinnern als ich klein war. Nicht Kindergarten- oder Vorschul-Klein… eher dieses „noch-bin-ich-niedlich-stehe-aber-kurz-vor-der-Schwelle-zu-den-Abartigkeiten-der-Pubertät-Klein“. Ihr wisst schon, jenes süße von bunten Träumen und ersten Schamhaaren beseelte Alter, in dem man noch barrierefrei auf seine Zukunft zurennt und jede Unsicherheit mit einer blöden Grimasse in den Orbit der Banalität befördern durfte.

Damals, als die „Backstreetboys“ mit „As Long As You Love Me“ ein riesen Gefühlskino um unseren ersten Kuss herum projiziert haben und „Oops… I Did It Again“ zu unseren Prüfungsvorbereitungen vor sich hin Ohrwurmte. Nichts ahnend dass einige das Vergnügen haben werden, den ganzen Stress noch einmal zu haben. Sei es nun ungewollt oder aus freien Stücken. Und all diesen schier unlösbar scheinenden Problemen unserer Pubertät traten wir mit der Coolness von „The Offspring“ gegenüber und waren ganz lässig… „Pretty Fly, For A White Guy“! Was dem einen ganz souverän gelang, meisterten die anderen mit der Attitude eines „Genie In A Bottle“, aber aus unseren verhätschelten Kinderschuhen hinaus und in die verantwortungsbewussten Latschen eines Erwachsenen hinein, sind wir zu guter letzt doch alle gewachsen.

Und zwischen all diesen mehr oder minder glanzvollen Sternstunden der Popmusik entstand etwas ganz wunderbares in unseren Köpfen. Denn dort, genährt von kindlicher Naivität und getränkt vom Feeenstaub unseres jugendlichen Leichtsinnes, florierte ein blühendes Zukunftsuniversum, von dem es außer Frage stand, dass es so und nicht anders auszusehen hatte.

Ganz feucht vor lauter Vorfreude riefen wir: Hallo meine Frau… Hallo meine Kinder… Hallo mein Haus… Hallo mein Auto… Hallo, mein wertübersteigertes Ich!

Hallo … im hier und jetzt!

Denn zwanzig Jahre Später schwirrt das Zukunftsuniversum nicht mehr in utopischer Reichweite, sondern ist uns gefährlich viel näher gerückt und offenbart so manch eine fehlerhafte Wahrheit, die von weitem noch ganz anders aussah.

Freilich kann ich nur von mir reden und ein paar verirrten Schäfchen, von denen ich es unmittelbar mitbekomme. Aber ich bin mir ganz sicher dass mindestens fünfzig Prozent der Menschen da draußen heute nicht dort stehen, wo sie sich vor zwanzig oder achtzehn Jahren sahen.

Sei es nun einer Bewusstseinsveränderung zu verdanken oder den unvorhersehbaren Kapriolen des wildläufigen Schicksalsflusses, aber irgendwie kann man gar nicht genug damit beschäftigt sein die Bausteine des Alltages wieder neu zu ordnen und etwas ansehnliches daraus zu bauen, während man mit seinem Hintern, unachtsamer Weise, neue Baustellen verursacht, wo man sich eigentlich schon lange fertig gesehen hat.

Und das, wo wir uns in einem Alter befinden, in dem eine unwissende, um Verzeihung bittende Grimasse nicht mehr niedlich sondern peinlich ist. Und wenn wir recht darüber nachdenken, in einem Alter, in dem wir uns zunehmend vor uns selber rechtfertigen und entschuldigen wollen. Ist es nicht so?

Für mich jedenfalls, als Dauersingle ohne Auto, kann ich nicht ansatzweise erfassen, wann dieses chaotische Theaterstück auf harmonischeren Bühnen gespielt wird, aber eines kann ich vom ersten Akt mit Gewissheit sagen: Der Soundtrack ist Klasse!

„Reisende“

Thomas Kleinstück am 14. Juli 2016 um 23:16

Frei von Pflichten, frei von Hast, trägt uns warmes Licht,

unverstellt sind unsere Wege, ungetrübt die Sicht.

 

Neugier treibt das Rad der Zeit, nehmt ab die Augenbinden,

denn reisende sind wir im Herz, wollen suchen und etwas finden.

 

Folgen strebsam goldener Wege, den Blick nach vorn und nicht zurück,

wolln auf eigenen Beinen stehen, wolln entfliehen dem Kinderglück.

 

Baun aus Federn, Lehm und Zweigen, unserm Herz ein sichres Nest,

suchen Liebe zu empfangen und wen der sich lieben lässt.

 

Sehn uns nach Beständigkeit, zu Wasser und zu Land,

ein Herz das mit uns reisen möcht, zwei reisende Hand in Hand.

 

Doch wir lassen soviel liegen, Streben stets nach neuem Glück,

heute schwimmen und morgen fliegen, immer wieder fehlt ein Stück.

 

Man sagt, die Zeit heilt alle Wunden, bringt uns Freud und lindert Schmerz,

wenn wir auch längst das Glück schon fanden, ein Reisender bleibt unser Herz…

 

Thomas Kleinstück, 18.02.2014

„Frühlingsgefühl“

Thomas Kleinstück am 5. April 2016 um 17:19

Über Kirschen und Magnolien

schwebt des Frühlings rosa Band,

Sonn gewärmte, junge Seelen

ziehn beflügelt Hand in Hand.

 

Spieln vor frühblühender Kulisse

mancher Ballade ersten Akt,

quäln poetisch jene Herzen,

denen vergönnt der zweisam Takt.

 

Thomas Kleinstück, 05.04.2016

DSC_0048

Die Welt in unserer Hand

Thomas Kleinstück am 1. April 2016 um 19:27

Es strahlt die Sonne, es lacht das Herz! Lasst uns hinaus eilen und die frühblühende Natur erobern. Ein paar Pigmente haschen und unsere fröstelnden Glieder in die wärmenden Strahlen der Sonne strecken.

„… Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, aus der Straßen quetschender Enge…“

Zugegeben, wenn wir heute spontan unsere vom Winterspeck genährten und von den Spätfolgen der dunklen Jahreszeit verblassten Körper, hinaus aus unseren Mietwohnungen, hinunter an die frische Luft rollen, dann landen wir wohl oder übel in der Straßen quetschender Enge. Doch immerhin, wir lassen Macbook, Flatscreen und Co. hinter uns und begnügen uns mit dem Internet im Hosentaschenformat. Wobei sich die Frage stellt: Welches Smartphone noch in herkömmliche Hosentaschen passt? Und sind die Smartphones von heute zu groß, oder die Hosentaschen einfach nur zu klein?

Mein Sony xperia jedenfalls, ist für meine Hosentaschen viel zu Groß und so wird der Klopper in den Taschen einer Jacke verstaut oder immer bereit für ein notwendiges Update am wichtigsten Platz überhaupt, nämlich in der Hand.

Wobei ich bemerken möchte, dass Handys und Smartphones in Hosen- vorzugsweise Arsch- Taschen sich proportional zu Geldbörsen in Arschtaschen verhalten. Dieser Kritikpunkt richtet sich vorwiegend an die Herren der Schöpfung, obgleich auch Damen schon häufiger damit gesichtet wurden. Aber das meine Herren, lasst euch sagen, geht gar nicht!

Doch zurück zur Welt in unserer Hand, statt nur zu unseren Füßen. Denn wir passen uns ja an und mit dem Telefon in der Hand fallen wir nicht mehr auf. Wie auch? Gucken ja alle nach unten statt grade aus oder nach oben. Wir unterhalten uns nicht mehr, wir whatsappen jetzt. Wir schlagen nicht nach, sondern wir googlen. Und das tun wir auch, ununterbrochen, egal wo wir sind. Beim Frühstück, beim Mittag, beim Cocktail, im Kino, dazwischen auch und auf dem Klo sowieso. Wann immer wir Zeit und die Hände frei haben holen wir unser Mobilfunkgerät hervor und machen, was man so damit machen kann, nämlich alles. Früher war es der Game Boy, heute ist es das Smartphone.

Wir schalten ein um abzuschalten und was wir dabei gewinnen ist fraglich.

Das paradoxe daran ist, dass während ich den medialen Überfluss anfange zu kritisieren, ich vor meinem Rechner sitze und meine Gedanken in Pixeln sichtbar werden lasse.

Herausreden kann ich mich aber folgender Maßen: Es ist wesentlich gesünder einen leeren Bildschirm mit seinen Gedanken zu füllen, anstelle sich das Hirn mit der medialen Sturmflut des World Wide Web zukleistern zu lassen. Und darüber hinaus, sitze ich hier neben einer Vase, welche üppig von gelb blühendem Forsythia beseelt ist.

Und… seid mir bitte nicht böse… Ich werde die kleine Abhandlung über das für und wieder der neumodischen Medien an dieser Stelle vorerst abbrechen, um die letzten paar Sonnenstrahlen des Tages noch etwas zu genießen.

Werde das Thema aber wieder aufgreifen… Denn zu Ende gedacht ist`s noch nicht!

Genießt den milden Frühlingsabend!